China Masters in Chengdu 08.-12.03.06
Aufgrund der Tatsache, dass wir
schon längere Zeit keine „großen“ Turniere in Asien mehr gespielt haben, nahmen
wir die China Masters, ein 6*-Turnier, mit in unsere Planung auf.
Nachdem wir unsere Trainingswoche
in Glasgow, wir absolvierten acht Trainingseinheiten a zwei Stunden, in denen
wir den Schotten als Sparring Partner zur Verfügung standen, und die beiden
letzten Bundesligaspiele in Regensburg und Berlin gut überstanden hatten, ging
es unmittelbar nach dem Sonntag-Spiel weiter nach Chengdu.
Die Auslosung war bereits zwei
Tage vor Abflug im Internet veröffentlicht, doch leider war diese wie so oft in
letzter Zeit fehlerhaft. Einen Tag später war dann eine neue Auslosung online,
bei welcher wir bereits im Viertelfinale waren, dort aber starke Chinesinnen auf
uns warteten. Es wunderte mich ein wenig, dass insgesamt nur 12 Damendoppel
gemeldet waren, aber uns sollte es recht sein…
Mein Gefühl sagte mir jedoch,
dass dies nicht die letzte Auslosung sein solle. Und so kam es dann auch. Als
wir am Montagabend in Chengdu ankamen mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass die
Auslosung erneut geändert wurde. Aller guten Dinge sind drei, doch dieses Mal
hatten wir eindeutig die schwierigste Auslosung von allen dreien erwischt.
Leider blieb es dann dabei, wäre ja auch peinlich genug gewesen, die Auslosung
ein viertes Mal zu ändern.
Wir eröffneten am Mittwochmittag
das Turnier im Doppel gegen Zhang Dan/Pan Pan aus China. Von Anfang an konnten
wir mit den Chinesen mithalten und ihnen ordentlich Paroli bieten. Das Spiel
gestaltete sich ausgeglichen, doch die Chinesen hatten im ersten Satz das
bessere Ende für sich und gewannen mit 21-16. Im zweiten Satz beherrschten wir
das Geschehen und boten unseren Gegnern einen heißen Tanz. Wir machten kaum
eigene Fehler, wir waren sehr stark in den ersten drei Schlägen, unsere Abwehr
stand hervorragend und wir spielten genau die Taktik, die unser Trainer, Michael
Keck, vorgab. So konnten wir diesen Satz mit 21-17 gewinnen. Auch im dritten und
entscheidenden Satz spielten wir konstant weiter und gingen schließlich mit
19-16 in Führung. Es fehlten „nur“ noch zwei Punkte um den Einzug ins
Viertelfinale perfekt zu machen, doch es sollte mal wieder nicht sein. Sehr
ärgerlich, denn bis zu diesem Zeitpunkt spielten wir nahezu perfektes Badminton
auf höchstem Niveau und dann in der entscheidenden Phase schlichen sich ein
paar, ich würde sagen die ersten gravierenden Fehler, in diesem Spiel ein. Und
gegen ein Weltklasse-Doppel kann dies natürlich spielentscheidend sein. So
machten unsere Gegner fünf Punkte in Folge und der Traum vom Viertelfinale war
ausgeträumt… :o( Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir das Spiel nicht
gewonnen haben, aber es hat uns gezeigt, dass wir speziell im taktischen Bereich
auf einem sehr guten Weg sind. Die Entscheidung nach China zu fliegen war auf
jeden Fall richtig, denn diese Spiele sind es, die wir brauchen und uns
weiterbringen, auch wenn man für gute Leistungen nicht (immer) belohnt wird.
Während man bei EBU Turnieren auch mit seinen Schwächen siegen kann ohne dass
man dafür bestraft wird, werden einem bei Grand Prix Turnieren sehr schnell die
Grenzen aufgezeigt. Es ist nach wie für ein großes Problem bei uns Deutschen,
dass wir zu selten Spiele auf solchem Niveau haben, sonst würde man sich viel
schneller in gewissen Bereichen weiterentwickeln. Deswegen ist es wichtig, viele
Turniere in Asien zu spielen, was zwar mit enormen Kosten verbunden ist, sich
aber am Ende wieder auszahlt.
Eine Stunde nach dem Doppel
musste ich dann auch schon im Einzel ran, wo ich es mit einer jungen Chinesin zu
tun hatte. Ich wirkte nicht wirklich konzentriert, da ich vom Kopf her noch der
Niederlage im Doppel nachtrauerte, aber ich versuchte trotzdem das Beste draus
zu machen. Früh zeichnete sich ab, dass ich nicht wirklich eine Chance hatte und
außerdem machte ich viel zu viele Fehler, als dass ich meiner Gegnerin hätte
gefährlich werden können. Ich verlor das Spiel mit 12-21 und 13-21 und somit war
das Turnier für mich beendet.
Als Fazit kann man sagen, dass
Chengdu auf jeden Fall eine Reise wert war, wenn auch ohne happy end… Schon
allein für die Weltranglistenpunkte hat es sich gelohnt. So bekommen wir für das
Achtelfinale 2160 Punkte, beim Gewinn eines EBU Turniers würden lediglich 1800
Punkte raus springen, allerdings muss man dafür das Turnier auch gewinnen.
Nun bleiben uns genau fünf Tage
Zeit zum Verschnaufen, ehe es zu den Dutch International (A-Turnier) nach
Wateringen geht, wo wir unseren Sieg vom letzten Jahr gerne wiederholen würden.
Dies wird allerdings davon abhängen, wie wir die Reisestrapazen der vergangen
Wochen und speziell von China wegstecken, aber wir werden es auf alle Fälle
probieren… Vielleicht klappt es ja, wenn ihr uns die Daumen drückt!
Nach dem Turnier werde ich euch
berichten wie es lief und bis dahin
wünsche ich euch eine schöne Zeit!
Es grüßt euch
Eure Nicole
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